Sofortmaßnahmen
Kakerlaken in der Wohnung: Die richtigen ersten 24 Stunden
Was Sie am ersten Tag tun, entscheidet darüber, ob der Befall in einer Wohnung bleibt oder im ganzen Haus landet.
Schaben sind nachtaktiv und lichtscheu. Wer eine am Tag sieht, sieht den Überschuss aus einem gut besetzten Versteck.
Stunde eins: bestimmen, nicht handeln
Bevor irgendetwas unternommen wird, muss klar sein, womit Sie es zu tun haben. Fotografieren Sie das Tier scharf von oben, oder fangen Sie es unter einem Glas und schieben Sie ein Blatt Papier darunter.
Die Deutsche Schabe ist etwa 13 Millimeter lang, hellbraun mit zwei dunklen Längsstreifen auf dem Halsschild. Sie klettert an glatten Flächen und sitzt in Küche und Bad. Sie ist der häufigste und schwierigste Fall.
Die Orientalische Schabe ist größer, fast schwarzbraun und kann nicht an Glas hochlaufen. Sie sitzt in Kellern, Heizungsräumen und Müllbereichen – ein Hinweis auf ein Gebäude- statt eines Wohnungsproblems.
Die Waldschabe ist schlanker, hellbraun, mit langen Flügeln und kommt im Sommer durchs offene Fenster. Sie vermehrt sich in der Wohnung nicht und braucht keine Bekämpfung.
Stunde zwei: nichts sprühen
Der Reflex ist verständlich und falsch. Sprühmittel haben eine abstoßende Wirkung. Die Tiere, die Sie sehen, sterben; die Tiere im Versteck fliehen – durch Leitungsschächte in Nachbarräume und Nachbarwohnungen. Aus einem Küchenproblem wird ein Hausproblem.
Der zweite Schaden ist langfristiger: Behandelte Flächen werden künftig gemieden, auch von einem später aufgetragenen Gelköder. Wenn Sie vor unserem Termin gesprüht haben, sagen Sie es uns – wir müssen dann anders vorgehen.
Tag eins: Wasser und Nahrung entziehen
Schaben brauchen Wasser dringender als Nahrung. Wischen Sie die Spüle abends trocken, reparieren Sie tropfende Hähne, stellen Sie keine feuchten Lappen liegen.
Füllen Sie Lebensmittel und Tierfutter in dicht schließende Behälter aus Glas oder Hartplastik um. Bringen Sie Müll täglich hinaus. Lassen Sie kein Geschirr über Nacht stehen und wischen Sie unter Herd und Kühlschrank.
Was Sie nicht tun sollten: die Küche unmittelbar vor unserem Termin mit scharfen Reinigern auswischen. Kotspuren sind für uns die Landkarte des Befalls.
Tag eins: Hausverwaltung informieren
Wenn Sie in einem Mehrfamilienhaus wohnen, ist das der wichtigste Anruf des Tages. Schaben wandern über Installationsschächte; Küche liegt über Küche, Bad über Bad. Wenn nur Ihre Wohnung behandelt wird, kommt der Befall aus der Nachbarwohnung zurück – meist innerhalb weniger Monate.
Schreiben Sie kurz, sachlich und mit Datum. Ein erheblicher Schabenbefall ist ein Mangel der Mietsache; die Bekämpfung ist Sache des Vermieters, sofern Sie ihn nicht verursacht haben.
Was Sie sich sparen können
Köderdosen aus dem Handel bringen bei einem etablierten Befall wenig, weil die Wirkstoffmenge zu gering ist und sie nicht an den richtigen Stellen sitzen. Backpulver-Mischungen wirken nicht. Vernebelungsdosen sind die schlechteste denkbare Idee, weil sie den Wirkstoff auf offenen Flächen verteilen und die Verstecke nicht erreichen.
Wie die professionelle Behandlung abläuft
Wir bestimmen zuerst die Art, dann suchen wir die Herde: Kühlschrankmotor, Spülenunterschrank, Geräterückseiten, Hohlräume, Rohrdurchführungen, Leitungsschacht. Anschließend wird Fraßgel punktförmig aufgetragen – geruchsarm, für Bewohner unauffällig, wirksam bis ins Versteck.
Nach zwei bis drei Wochen kommen wir zur Nachkontrolle. Genau dann schlüpfen die Tiere aus überlebenden Ootheken; das Eipaket schützt seinen Inhalt zuverlässig vor Wirkstoffen. Diese zweite Behandlung ist kein Zusatzgeschäft, sondern der Punkt, an dem der Zyklus tatsächlich endet.
Woche eins: Melden Sie den Befall schriftlich der Hausverwaltung, auch wenn Sie selbst eine Firma beauftragen. Schaben wandern über gemeinsame Steigleitungen, und eine Behandlung, die an Ihrer Wohnungstür endet, ist bei dieser Bauweise nur eine Verzögerung. Die Anzeige nach § 536c BGB sichert ausserdem Ihre Ansprüche.
Was Sie nicht tun sollten: Möbel entsorgen, in ein anderes Zimmer ziehen oder Lebensmittel in den Keller bringen. Jede dieser Reaktionen verteilt den Befall weiter. Und keine Nebelautomaten aus dem Baumarkt – sie treiben die Tiere tiefer in Hohlräume und in die Nachbarwohnung, statt sie zu erreichen.
Zum Zeitrahmen, damit Sie wissen, woran Sie sind: Bis zur Freigabe vergehen bei Schaben in der Regel drei bis sechs Wochen. Der Grund liegt in der Oothek, dem Eipaket, das gegen Wirkstoffe weitgehend unempfindlich ist. Erst wenn die daraus geschlüpften Tiere den Köder aufgenommen haben, ist der Bestand beendet – deshalb gehört die Nachkontrolle zwingend dazu.
Quellen und Stand
Häufige Fragen dazu
Kann eine einzelne Schabe zufällig hereingekommen sein?
Möglich, aber selten. Waldschaben fliegen im Sommer durchs offene Fenster und vermehren sich in der Wohnung nicht – sie sind schlanker, hellbraun und haben lange Flügel. Bei Deutscher oder Orientalischer Schabe ist ein Einzeltier dagegen fast immer der Vorbote. Sicherheit bringen Klebefallen über ein bis zwei Wochen.
Muss ich die Küche komplett ausräumen?
Nein. Eine Gelbehandlung erfolgt punktgenau; wir brauchen Zugang zu Spülenunterschrank, Geräterückseiten und Schrankkanten. Lebensmittel sollten in dichten Behältern sein – das ist ohnehin sinnvoll.
Wie kommen Schaben ins Haus?
Über Kartonagen aus Lieferungen, über gebrauchte Elektrogeräte, mit Gepäck – und im Mehrfamilienhaus vor allem über Leitungsschächte aus Nachbarwohnungen. In Gebäuden aus den 1950er bis 1970er Jahren ist der durchgehende Installationsschacht der Hauptverbreitungsweg.
Wie lange dauert die Behandlung?
Die sichtbare Aktivität geht meist innerhalb weniger Tage stark zurück. Endgültig freigegeben wird ein Befall aber erst nach der Nachkontrolle, weil aus überlebenden Eipaketen Tiere nachschlüpfen. Rechnen Sie mit drei bis sechs Wochen bis zur Entwarnung.