Motten
Motten bekämpfen
Lebensmittelmotte oder Kleidermotte? Die beiden haben nichts miteinander zu tun – und die Unterscheidung entscheidet alles Weitere.
Der teuerste Fehler bei Motten ist, die falsche Art zu bekämpfen.
Zwei völlig verschiedene Tiere
Lebensmittelmotten und Kleidermotten sind biologisch nicht näher verwandt als Spatz und Specht. Die Larven der Dörrobstmotte fressen stärke- und fetthaltige Trockenware: Mehl, Müsli, Nüsse, Trockenobst, Reis, Schokolade, Tierfutter, Vogelfutter. Die Larven der Kleidermotte fressen Keratin – also tierische Fasern wie Wolle, Seide, Pelz, Filz und Federn. Ein Baumwollhemd rührt sie nicht an.
Deshalb ist die Bestimmung nicht Formsache. Wer im Vorratsschrank sucht, während die Kleidermotten im Wollteppich unter dem Sofa sitzen, wird nichts finden.
Lebensmittelmotten: die Quelle ist alles
Fast jeder Lebensmittelmottenbefall beginnt mit einer gekauften Packung. Die Eier oder Larven sind schon beim Einkauf drin – nicht selten in Vogelfutter, Tierfutter oder Nüssen, seltener in industriell verpacktem Mehl. Aus dieser einen Packung wandern die Larven aus und verpuppen sich in den Fugen des Schranks, an der Schrankdecke, in Bohrlöchern und Schraubenkanälen.
Das ist der Grund, warum es nicht reicht, die eine erkennbar befallene Packung wegzuwerfen: Die Puppen sitzen längst im Möbel. Ein leergeräumter, gründlich ausgesaugter Schrank – Fugen, Bohrlöcher, Rückwandkanten, Scharniere – ist bei diesem Befall wichtiger als jedes Mittel.
Kleidermotten: dunkel, ruhig, selten bewegt
Kleidermotten mögen genau die Orte, an die niemand kommt: den Teppichrand unter dem Schrank, das Wollplaid im untersten Fach, den Filz unter dem Klavier, den selten getragenen Mantel ganz hinten. Sie fliegen kaum – wenn Sie einen Falter flattern sehen, ist es meist ein Männchen auf Partnersuche.
Entscheidend ist: Motten gehen bevorzugt an getragene Textilien. Schweiß, Hautschuppen und Speisereste in den Fasern sind für die Larven wertvoller als reine Wolle. Wer Wollsachen ungewaschen einlagert, lädt sie regelrecht ein.
Wenn es nicht aufhört
Manchmal fliegen trotz leergeräumtem Schrank weiter Falter. Dann gibt es eine versteckte Quelle. Häufige Fundorte: eine vergessene Packung hinter dem Kühlschrank, Vogelfutter im Keller, ein Sack Tiernahrung in der Garage, ein altes Vogelnest im Rollladenkasten oder – gar nicht selten – Reste in einer abgehängten Decke oder hinter einer Verkleidung. Diese Suche ist der eigentliche Teil der Arbeit, und dafür werden wir gerufen.
Die richtige Reihenfolge beim Ausräumen
Wer nur die auffällige Packung entsorgt, hat in zwei Wochen dieselbe Lage. Larven wandern in benachbarte Vorräte, und zwar auch in ungeöffnete – Papier und Folie halten sie nicht auf.
Die Reihenfolge, die sich bewährt hat: Erstens alle Vorräte ausräumen und einzeln prüfen, einschliesslich Tierfutter, Vogelfutter, Nüssen und Trockenobst. Zweitens Befallenes in einem geschlossenen Beutel entsorgen, nicht offen im Küchenmüll. Drittens den Schrank vollständig aussaugen – Fugen, Bohrlöcher, Schienen und Kanten, dort sitzen die Gespinste – und den Beutel sofort entsorgen. Viertens feucht auswischen, Essigwasser genügt. Fünftens den Rest in dicht schliessende Behälter umfüllen.
Pheromonfallen gehören danach hinein, aber als Messgerät: Sie fangen ausschliesslich männliche Falter und zeigen, ob noch etwas da ist. Als alleinige Massnahme beenden sie keinen Befall.
Zur Vorbeugung, die wirklich trägt: Kaufen Sie Trockenvorräte in Mengen, die Sie in überschaubarer Zeit verbrauchen, und füllen Sie sie sofort nach dem Einkauf um. Der Vorratsschrank ist kein Lager. Lorbeerblätter, Lavendel und Zedernholz vertreiben ausgewachsene Falter geringfügig, gegen Larven im Mehl richten sie nichts aus – sie ersetzen keine dichten Behälter.
Bei Kleidermotten gilt das Gegenstück: Textilien vor dem Einlagern waschen oder reinigen lassen. Motten gehen an Schweiss- und Speisereste in der Faser, nicht an saubere Wolle.
Daran erkennen Sie den Befall
- Kleine Falter, die abends träge durch die Küche oder aus dem Kleiderschrank flattern
- Gespinstfäden und verklebte Klümpchen in Mehl, Müsli, Nüssen, Reis, Tierfutter oder Gewürzen
- Raupen an Schrankdecken und in den Ecken des Vorratsschranks
- Unregelmäßige Löcher in Wollpullovern, Teppichen, Filzunterlagen oder Polsterstoffen
- Feine, sandartige Kotkrümel und Gespinströhren in Textilien
- Kahle Stellen an Teppichrändern unter Möbeln, wo lange nicht gesaugt wurde
Warum Sie nicht abwarten sollten
- Lebensmittelmotten machen Vorräte ungenießbar; Gespinste und Kot verderben ganze Packungen
- Befallene Vorräte können mit Schimmelpilzen und Milben vergesellschaftet sein
- Kleidermotten verursachen irreparable Schäden an hochwertigen Textilien, Teppichen und Polstern
- In Gastronomie und Lebensmittelhandel führt ein Mottenbefall zu Beanstandungen
- Aus einer einzigen übersehenen Packung kann eine Population entstehen, die den ganzen Schrank besetzt
Was Sie sofort selbst tun können
- Bei Lebensmittelmotten alle Vorräte einzeln kontrollieren – auch ungeöffnete Packungen, die Tiere nagen sich durch Papier und dünne Folie
- Befallene Ware sofort in einen verschlossenen Beutel geben und außerhalb der Wohnung entsorgen
- Den leeren Schrank gründlich aussaugen, besonders die Fugen, Bohrlöcher und Schraubenkanäle, und anschließend mit Essigreiniger auswischen
- Bei Kleidermotten die betroffenen Textilien bei mindestens 60 °C waschen oder für zwei Wochen bei minus 18 °C einfrieren
- Pheromonfallen aufstellen: Sie zeigen an, ob noch Männchen fliegen, und helfen beim Eingrenzen der Quelle
Was Sie besser lassen sollten
- Nicht nur die sichtbare Packung wegwerfen; fast immer ist eine zweite Quelle im Schrank
- Keine Sprays in Lebensmittelschränken einsetzen
- Pheromonfallen nicht für eine Bekämpfung halten – sie fangen nur Männchen und dienen der Überwachung
- Kleidung nicht ungewaschen wieder in den gereinigten Schrank hängen
- Lavendel und Zedernholz nicht überschätzen; sie halten allenfalls fern und beseitigen keinen bestehenden Befall
So beugen Sie vor
- Trockenware nach dem Einkauf in dicht schließende Behälter aus Glas oder Hartplastik umfüllen
- Vorräte nicht auf Vorrat lagern; kleinere Mengen häufiger kaufen
- Schränke ein- bis zweimal jährlich vollständig ausräumen und die Fugen aussaugen
- Wollsachen vor dem Einlagern immer waschen oder reinigen lassen – Schweiß und Hautreste locken Kleidermotten an
- Saisontextilien in verschlossenen Boxen oder Vakuumbeuteln lagern
- Teppichränder und Flächen unter selten bewegten Möbeln regelmäßig saugen
Rechtlicher Hinweis
In Lebensmittelbetrieben ergibt sich aus der EU-Lebensmittelhygieneverordnung die Pflicht, Vorräte vor Schädlingen zu schützen und einen Befall zu dokumentieren. Für Privathaushalte gibt es keine besonderen Vorgaben. In Mietwohnungen ist ein Mottenbefall in der Regel dem Haushalt zuzurechnen, weil er meist mit Ware eingeschleppt wird – es sei denn, die Quelle liegt nachweislich in der Bausubstanz, etwa in einem alten Vogelnest oder in Dämmmaterial.
Quellen und Stand
Häufige Fragen zu Motten bekämpfen
Wie unterscheide ich Lebensmittel- von Kleidermotten?
Am Ort und an der Farbe. Lebensmittelmotten sind meist zweifarbig – vorderer Flügelteil hell, hinterer rotbraun – und sitzen in Küche und Vorratsschrank. Kleidermotten sind einfarbig strohgelb glänzend, kleiner, fliegen kaum und laufen lieber; sie sitzen im Kleiderschrank und an Teppichrändern.
Reichen Pheromonfallen?
Nein. Pheromonfallen locken nur Männchen an. Sie sind ein hervorragendes Werkzeug, um einen Befall zu erkennen und den Erfolg einer Behandlung zu prüfen, aber sie beenden keinen Befall – die Weibchen legen weiter Eier.
Was sind Schlupfwespen und tun die mir etwas?
Trichogramma-Schlupfwespen sind weniger als einen halben Millimeter groß, stechen nicht, fliegen nicht in Ihre Nahrung und sind für Menschen völlig ungefährlich. Sie legen ihre Eier in die Eier der Motten. Sobald keine Motteneier mehr da sind, sterben sie ab und zerfallen zu Staub.
Muss ich wirklich alle Vorräte wegwerfen?
Nicht alle, aber alle befallenen und alle, bei denen Sie unsicher sind. Prüfen Sie auch ungeöffnete Packungen: Larven nagen sich durch Papier und dünne Folien. Schütten Sie Trockenware zur Prüfung auf ein helles Blech und sehen Sie nach Gespinstfäden.
Meine Wollteppiche haben kahle Stellen – sind das Motten?
Möglich, es kann aber auch der Teppichkäfer sein. Bei Motten finden sich Gespinströhren und feine Kotkrümel, beim Käfer eher borstige, gehäutete Larvenhüllen. Die Bekämpfung unterscheidet sich – deshalb sehen wir uns das an, bevor wir behandeln.
Anfrage senden
Beschreiben Sie kurz, was Sie beobachtet haben – wo, wie oft und seit wann. Wir melden uns schnellstmöglich zurück. Wenn es eilt, rufen Sie uns bitte direkt an.
- Telefon 01512 4761306
- E-Mail info@kessler-kammerjaeger.de
- Erreichbarkeit Mo – Sa erreichbar · meist in 60 Minuten bei Ihnen