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Wanderratte (Rattus norvegicus) im städtischen Umfeld Ratten Rattenbefall

Ratten

Ratten bekämpfen

Ratten im Haus sind kein Schönheitsproblem, sondern ein Sicherheits- und Hygienerisiko – und in vielen Städten meldepflichtig.

Bei Ratten ist das Gift der einfachste Teil der Arbeit. Der schwierige Teil ist die Frage, wo sie herkommen.

Der häufigste Weg führt durch den Kanal

In gewachsenen Stadtlagen liegt ein dichtes, altes Kanalnetz unter der Strasse. Weite Teile der Hausanschlüsse im Altbestand stammen aus der Zeit vor 1960. Wo ein Anschluss gerissen, abgesackt oder an der Muffe undicht ist, entsteht für Wanderratten ein trockener, warmer Zugang direkt unter das Gebäude – und von dort in Kellerabläufe, Waschküchen und über Fallrohre auch in Toiletten.

Deshalb beginnt bei uns jede Rattenbekämpfung an einem Haus mit der Frage nach dem Kanalanschluss, nicht mit der Frage nach dem Köder. Wenn wir Kot in einem Kellerraum finden, in dem es weder Futter noch einen offenen Zugang von außen gibt, ist die Sache meist schon klar.

Neophobie: Warum es Geduld braucht

Wanderratten sind ausgeprägt misstrauisch gegenüber Neuem in ihrem Revier. Eine frisch aufgestellte Köderstation wird häufig tagelang gemieden, selbst wenn sie mitten auf dem Laufweg steht. Genau das ist der Punkt, an dem Selbstversuche scheitern: Nach drei Tagen ohne Annahme wird umgestellt, umgeräumt, gewechselt – und das Misstrauen beginnt von vorn.

Wir stellen Stationen deshalb an feste Punkte, lassen sie stehen und dokumentieren die Annahme über mehrere Kontrollgänge. Das dauert im Regelfall vier bis acht Wochen. Diese Zeit ist keine Verzögerung, sie ist das Verfahren.

Was Sie sofort ändern sollten

Ratten bleiben nur, wo es Futter gibt. Die drei häufigsten Futterquellen an Wohnhäusern sind Vogelfutter, Kompost mit Speiseresten und der Tonnenstandplatz. Wer diese drei abstellt, halbiert das Problem oft schon vor unserem ersten Termin.

Der zweitwichtigste Punkt ist die Toilette: Speisereste, Fett und Frittieröl im Abwasser sind eine verlässliche Nahrungsquelle für die Population im Kanal unter Ihrem Haus. Das ist kein Randthema – es ist einer der Hauptgründe für die steigende Rattendichte in dicht bebauten Stadtteilen.

Warum offenes Gift keine Option ist

Antikoagulante Rodentizide gehören von berufsmäßigen Anwendern grundsätzlich in gesicherte Köderstationen. Das ist keine Formalie: Offen ausgelegtes Gift erreicht regelmäßig Igel, Katzen und – über vergiftete Nager – Greifvögel und Füchse. Diese Sekundärvergiftungen sind der Grund, warum die Zulassungsbedingungen in den letzten Jahren deutlich verschärft wurden.

Dazu kommt das praktische Risiko: Ein Tier, das im Hohlraum einer Zwischendecke verendet, verursacht wochenlangen Geruch und zieht Aasfliegen und Speckkäfer an. Auch deshalb arbeiten wir mit dokumentierten Stationen an definierten Punkten statt mit Streuköder.

Nach der Bekämpfung: dauerhaft dicht machen

Am Ende jeder Rattenbekämpfung steht bei uns eine Liste der Stellen, über die die Tiere gekommen sind. Ratten nagen sich durch Bauschaum, Holz, Kunststoffrohre und weichen Mörtel; sie kommen nicht durch Edelstahlgewebe und nicht durch fachgerecht eingemörtelte Durchführungen. Ein Spalt von zwei Zentimetern genügt einem ausgewachsenen Tier.

Wo der Kanalanschluss die Ursache ist, hilft dauerhaft nur die Sanierung oder eine Rattensperre im Hausanschluss. Wir sagen Ihnen ehrlich, wenn eine Bekämpfung ohne diesen Schritt nur eine wiederkehrende Rechnung wäre.

Meldepflicht und Dokumentation

Ein Rattenbefall ist in Nordrhein-Westfalen anzeigepflichtig. Grundlage sind § 17 Absatz 1 Infektionsschutzgesetz und die Rattenverordnung des Landes; anzeigepflichtig ist die Eigentümerin oder der Eigentümer gegenüber der Gemeinde. Mieterinnen und Mieter melden der Hausverwaltung – schriftlich, mit Datum und nach Möglichkeit einem Foto.

Für die Anzeige gilt dasselbe wie für die Bekämpfung: Der Zeitpunkt entscheidet. Ansprüche nach § 536 BGB entstehen erst ab der Anzeige, und für Folgeschäden, die bei rechtzeitiger Meldung vermeidbar gewesen wären, kann gehaftet werden.

Zu jedem Einsatz erhalten Sie einen Bericht mit Lageskizze der Stationen, dem Verzehr je Kontrolle, den eingesetzten Mitteln samt Zulassungsnummer und einer Empfehlung zur baulichen Ursache. Diese Unterlage ist es, die das Ordnungsamt sehen will – und die in der Eigentümerversammlung Fragen beantwortet, bevor sie gestellt werden.

Daran erkennen Sie den Befall

  • Dunkler, spindelförmiger Kot von 15 bis 20 Millimetern Länge, meist entlang von Wänden
  • Nagespuren an Holz, Kunststoffrohren, Dämmung und Kabelisolierungen
  • Schmierspuren: dunkle, fettige Streifen an Mauerkanten, Rohren und Türzargen entlang der Laufwege
  • Erdlöcher von etwa 6 bis 10 Zentimetern Durchmesser an Hausmauern, unter Terrassen oder im Kompostbereich
  • Nächtliche Kratz- und Laufgeräusche in Zwischendecken, Schächten oder unter dem Fußboden
  • Unruhige Haustiere, die eine bestimmte Ecke fixieren
  • Geruch nach Ammoniak in Kellern oder Nebenräumen

Warum Sie nicht abwarten sollten

  • Nagen an Stromkabeln – Kabelbrand ist eine der häufigsten Folgeschäden bei Rattenbefall
  • Übertragung von Krankheitserregern über Kot und Urin, unter anderem Leptospiren und Salmonellen
  • Verunreinigung von Lebensmitteln und Futtermitteln, in Betrieben mit Beanstandungsfolge
  • Schäden an Dämmung, Rohrisolierung und Dichtungen mit Feuchteschäden als Folgekosten
  • Ein einziges Paar kann unter guten Bedingungen im Jahr eine dreistellige Nachkommenzahl hervorbringen

Was Sie sofort selbst tun können

  • Alle Futterquellen abstellen: Vogelfutter, Tierfutter im Freien, offener Kompost mit Speiseresten, Fallobst
  • Mülltonnen schließen, Tonnenstandplatz reinigen, Restmüllsäcke nicht neben die Tonne stellen
  • Kein Speiseabfall in die Toilette – Ratten steigen genau darüber auf
  • Kellerfenster und Lichtschächte provisorisch mit engmaschigem Gitter sichern
  • Befall melden: In vielen Kommunen besteht eine Anzeigepflicht beim Ordnungs- oder Gesundheitsamt

Was Sie besser lassen sollten

  • Kein Rattengift offen auslegen – das ist Laien nicht erlaubt und gefährdet Kinder, Haustiere, Igel und Greifvögel
  • Keine Ultraschallgeräte kaufen; für eine dauerhafte Wirkung gegen Ratten fehlt jeder belastbare Nachweis
  • Löcher nicht zubetonieren, solange Tiere im Gebäude sein könnten – Sie schließen sie ein, und die Kadaver verursachen erhebliche Geruchsprobleme
  • Nicht auf gut Glück Schlagfallen im Garten aufstellen; sie gefährden Igel und Vögel
  • Den Befall nicht verschweigen, wenn Nachbarn oder Hausverwaltung betroffen sind

So beugen Sie vor

  • Keine Speiseabfälle in die Toilette, kein Fett in den Ausguss
  • Vogel- und Tierfutter nur in Mengen ausbringen, die am selben Tag gefressen werden
  • Kompost geschlossen halten und keine gekochten Speisereste einbringen
  • Rohr- und Kabeldurchführungen in Kellerwänden mit Mörtel und Edelstahlgewebe verschließen
  • Lichtschächte und Kellerfenster mit Gitter (Maschenweite höchstens 5 Millimeter) sichern
  • Bei älteren Gebäuden den Kanalanschluss prüfen und gegebenenfalls eine Rattensperre einbauen lassen

Rechtlicher Hinweis

Ratten sind Gesundheitsschädlinge im Sinne des § 2 Nr. 12 Infektionsschutzgesetz; § 17 IfSG regelt die Bekämpfung. Viele Städte haben eigene Schädlingsbekämpfungssatzungen mit einer Anzeigepflicht für Grundstückseigentümer bei Rattenbefall. Rodentizide dürfen von berufsmäßigen Anwendern nur unter Einhaltung der Risikominderungsmaßnahmen der Biozidzulassung nach Verordnung (EU) Nr. 528/2012 eingesetzt werden.

Quellen und Stand

Zuletzt fachlich geprüft: 21.08.2026. Zuletzt aktualisiert: 10. September 2026. Dieser Text ersetzt keine Rechtsberatung und keine ärztliche Abklärung.

Häufige Fragen zu Ratten bekämpfen

Muss ich einen Rattenbefall melden?

In vielen Kommunen ja. Zahlreiche Städte haben Schädlingsbekämpfungssatzungen, die Eigentümer verpflichten, einen Rattenbefall dem Ordnungs- oder Gesundheitsamt anzuzeigen. Wir sagen Ihnen für Ihre Stadt, was gilt, und erstellen den Befallsbericht dazu.

Wer zahlt – Mieter oder Vermieter?

Grundsätzlich der Eigentümer, weil die Bekämpfung eine Instandhaltungsmaßnahme ist und ein erheblicher Befall einen Mietmangel darstellt. Anders liegt es nur, wenn der Befall nachweislich durch das Verhalten eines Mieters verursacht wurde, etwa durch Füttern oder starke Vermüllung.

Wie kommen Ratten überhaupt ins Haus?

Am häufigsten über das Kanalnetz: Ein Riss oder ein nicht mehr dichter Hausanschluss genügt, und die Tiere steigen bis in Kellerabläufe und Toiletten auf. Weitere Wege sind offene Lichtschächte, Kellerfenster, Fassadendurchbrüche für Leitungen und angebaute Gartenhäuser.

Wie lange dauert eine Rattenbekämpfung?

Rechnen Sie mit vier bis acht Wochen. Ratten sind neophob, sie meiden neue Gegenstände in ihrem Revier zunächst mehrere Tage. Deshalb ist Geduld Teil des Verfahrens – wer zu früh abbricht, hat die scheuen Tiere übrig gelassen.

Ist Gift gefährlich für meinen Hund?

Deswegen setzen wir ausschließlich gesicherte Stationen ein, die sich nur mit Werkzeug öffnen lassen und fest verankert werden. Wenn Sie es ganz ohne Rodentizid wünschen, arbeiten wir mit Schlagfallen in Stationen – das dauert etwas länger, ist aber genauso wirksam.

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