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Nest der Deutschen Wespe (Vespula germanica) aus papierartigem Material WespennestWespennest

Wespen & Hornissen

Wespennest entfernen

Nicht jedes Nest muss weg – und nicht jedes darf weg. Wir sagen Ihnen zuerst, was gilt, und handeln dann.

 

Die erste Frage bei einem Wespennest ist nicht „wie kommt es weg“, sondern „muss es überhaupt weg“.

Der vernünftige Grund – und was er bedeutet

Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet in § 39, wild lebende Tiere ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Für Wespen heißt das: Ein Nest darf nicht entfernt werden, nur weil es da ist. Es darf entfernt werden, wenn eine konkrete Gefährdung oder eine unzumutbare Beeinträchtigung vorliegt.

In der Praxis liegt ein solcher Grund vor bei: Nestern an oder unmittelbar neben Haustüren und Hauseingängen, an Kinderzimmerfenstern, auf viel genutzten Balkonen, in Sandkästen oder Spielbereichen, an Rettungswegen und Feuerwehrzufahrten sowie überall dort, wo eine Person mit nachgewiesener Insektengiftallergie lebt oder arbeitet.

Kein ausreichender Grund ist dagegen: ein Nest hoch im Giebel, im hinteren Gartenschuppen, auf dem selten betretenen Dachboden oder in einer Hecke abseits der Wege. Wir sagen Ihnen das offen, auch wenn wir daran nichts verdienen.

Hornissen: besonders geschützt, meist harmlos

Die Hornisse ist nach § 44 BNatSchG besonders geschützt. Ein Wespennest der Roten Hornisse zu sehen, ist normalerweise beängstigend. Ihr Nest darf nur mit Ausnahmegenehmigung der Unteren Naturschutzbehörde angetastet werden, und die Behörde erteilt sie in aller Regel nur für eine Umsiedlung, nicht für eine Bekämpfung.

Das ist weniger dramatisch, als es klingt. Hornissen sind ausgesprochen friedfertig, verteidigen nur den unmittelbaren Nestbereich und interessieren sich nicht für Kuchen oder Grillgut. Ihr Gift ist entgegen dem hartnäckigen Gerücht nicht stärker als das der Honigbiene. Eine Umsiedlung in einen Ersatzkasten in einigen Metern Entfernung gelingt regelmäßig und beendet das Problem für alle Seiten.

Die häufigsten Standorte am Haus

In Häusern aus der Nachkriegszeit sind zwei Standorte besonders häufig: der Rollladenkasten und die hinterlüftete Dachebene. Beide sind trocken, geschützt und über kleine Spalten zugänglich – ideale Nistplätze.

Rollladenkästen sind der unangenehmste Fall, weil das Nest direkt hinter der Innenverkleidung sitzt und die Tiere über die Führungsschiene in den Wohnraum gelangen können. Hier hilft weder Sprühen noch Zuschäumen: Verschlossene Einfluglöcher führen dazu, dass sich das Volk einen neuen Weg nagt – erfahrungsgemäß nach innen. Wir öffnen deshalb den Kasten fachgerecht, behandeln oder entnehmen das Nest und verschließen den Bauteil anschließend dauerhaft.

Erdnester unter Terrasse und Böschung

Die Deutsche Wespe nistet gern unterirdisch, oft in verlassenen Mäusegängen unter Terrassenplatten, Hangbefestigungen oder Gartenhäusern. Erkennbar ist das an starkem Flugverkehr dicht über dem Boden an einer festen Stelle. Diese Nester sind besonders unangenehm, weil man sie beim Rasenmähen oder Unkrautjäten leicht übersieht und dann sofort ein ganzes Volk gegen sich hat.

Wenn die Saison vorbei ist

Ein Wespenvolk lebt genau eine Saison. Im Oktober und November sterben Arbeiterinnen und Königin ab; nur die begatteten Jungköniginnen überwintern einzeln in Ritzen, Totholz oder Dämmung und gründen im Frühjahr ein neues Volk an anderer Stelle. Ein Nest wird nie ein zweites Mal bezogen.

Wenn also im September jemand fragt, ob sich die Entfernung noch lohnt, ist die ehrliche Antwort meistens: kaum. Sinnvoll ist dann, im Spätherbst das leere Nest zu entnehmen und den Zugang zu verschließen – damit im nächsten Frühjahr keine Königin denselben Hohlraum findet.

Daran erkennen Sie den Befall

  • Regelmäßiger An- und Abflug an einer festen Stelle der Fassade, unter dem Dachüberstand oder am Rollladenkasten
  • Graues, papierartiges Nestmaterial, kugelig oder schalenförmig
  • Raschelnde oder summende Geräusche aus Rollladenkasten, Zwischendecke oder Dämmung
  • Wespen im Innenraum ohne offenes Fenster – ein Hinweis auf ein Nest im Bauteil
  • Starker Flugverkehr in Bodennähe: Hinweis auf ein Erdnest, häufig unter Terrassenplatten oder in Böschungen

Warum Sie nicht abwarten sollten

  • Stiche in unmittelbarer Nähe von Hauseingängen, Kinderspielbereichen oder Rettungswegen
  • Gefährdung von Menschen mit bekannter Insektengiftallergie – hier kann ein einzelner Stich lebensbedrohlich sein
  • Ein Volk der Gemeinen Wespe kann bis zum Spätsommer mehrere tausend Tiere umfassen
  • Nester in Dämmebenen und Rollladenkästen verursachen Feuchte- und Materialschäden
  • Unsachgemäße Eigenversuche führen regelmäßig zu Mehrfachstichen

Was Sie sofort selbst tun können

  • Ruhe bewahren, nicht nach den Tieren schlagen und nicht pusten – Erschütterung und Atemluft lösen Abwehrverhalten aus
  • Den Bereich um das Einflugloch von Kindern und Haustieren freihalten und Fenster in der Nähe geschlossen halten
  • Süße Speisen und Getränke draußen abdecken, Gläser mit Deckel oder Trinkhalm verwenden
  • Fallobst regelmäßig aufsammeln
  • Bei bekannter Insektengiftallergie im Haushalt: sagen Sie es uns am Telefon, wir behandeln solche Fälle vorrangig

Was Sie besser lassen sollten

  • Kein Wasser in das Nest gießen und niemals mit Feuer oder Benzin arbeiten – das führt regelmäßig zu schweren Unfällen und Gebäudebränden
  • Das Einflugloch nicht zuschäumen oder verschließen; die Tiere nagen sich einen neuen Weg, oft nach innen in den Wohnraum
  • Keine Sprays aus dem Handel gegen ein besetztes Nest einsetzen
  • Nicht am Nest rütteln, klopfen oder mit dem Rasenmäher darüberfahren
  • Ein Hornissennest niemals eigenmächtig entfernen – das ist ohne Genehmigung eine Ordnungswidrigkeit

So beugen Sie vor

  • Im April und Mai auf Königinnen achten, die Fassade, Rollladenkästen und Dachüberstände nach Nistplätzen absuchen
  • Rollladenkästen abdichten und Führungsschienen kontrollieren – solange sie noch leer sind
  • Offene Zugänge zu Dachstuhl und Dämmebene mit Gitter versehen
  • Falllaub, Fallobst und offene Abfallbehälter im Garten vermeiden
  • Ein Wespennest an einem harmlosen Ort einfach stehen lassen: Das Volk stirbt im Herbst ab und dasselbe Nest wird nie wieder bezogen

Rechtlicher Hinweis

Alle wild lebenden Tiere sind nach § 39 Abs. 1 BNatSchG davor geschützt, ohne vernünftigen Grund gefangen, verletzt oder getötet zu werden. Hornissen sowie mehrere Hummel- und Wildbienenarten sind zusätzlich nach § 44 BNatSchG besonders geschützt; das Entfernen ihrer Nester bedarf einer Ausnahmegenehmigung der Unteren Naturschutzbehörde. Verstöße können nach § 69 BNatSchG mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro geahndet werden. Wir prüfen die Rechtslage in jedem Einzelfall, bevor wir tätig werden – und sagen Ihnen auch dann die Wahrheit, wenn sie unbequem ist.

Quellen und Stand

Zuletzt fachlich geprüft: 21.08.2026. Zuletzt aktualisiert: 10. September 2026. Dieser Text ersetzt keine Rechtsberatung und keine ärztliche Abklärung.

Häufige Fragen zu Wespennest entfernen

Darf ich ein Wespennest selbst entfernen?

Nur, wenn ein vernünftiger Grund im Sinne des § 39 BNatSchG vorliegt – und selbst dann sollten Sie es nicht selbst tun. Ohne Grund ist das Zerstören eine Ordnungswidrigkeit. Bei Hornissen ist es auch mit Grund ohne Ausnahmegenehmigung unzulässig.

Was kostet es, wenn ich es einfach mache?

Nach § 69 BNatSchG sind Bußgelder bis zu 50.000 Euro möglich. In der Praxis liegen die verhängten Beträge deutlich darunter, aber vierstellig ist realistisch – von der Verletzungsgefahr bei Eigenversuchen ganz abgesehen.

Sind Hornissen gefährlicher als Wespen?

Nein, im Gegenteil. Hornissen sind deutlich friedfertiger als Wespen und gehen nicht an Kuchen oder Grillfleisch. Ihr Gift ist nicht stärker als das der Honigbiene; der Stich schmerzt wegen des größeren Stachels nur mehr. Gefährlich ist er nur für Allergiker – wie jeder Insektenstich.

Kommen die Wespen nächstes Jahr wieder?

Nicht in dasselbe Nest. Ein Wespenvolk ist einjährig; im Herbst stirbt es ab, nur die Jungköniginnen überwintern und bauen im Frühjahr an anderer Stelle neu. Ein leeres Nest ist harmlos – es sollte trotzdem entfernt werden, weil es Speckkäfer und Motten anzieht.

Muss jedes Nest weg?

Nein, und wir sagen Ihnen das auch. Ein Nest im hinteren Gartenschuppen, in einem selten genutzten Dachboden oder hoch unter dem Giebel stellt oft keine Gefahr dar. Wespen sind zudem nützlich: Ein mittleres Volk vertilgt am Tag Tausende Insekten, darunter Fliegen und Mücken.

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