Bettwanzen
Bettwanzen erkennen: 9 Anzeichen, die wirklich beweiskräftig sind
Stiche allein beweisen gar nichts. Diese neun Spuren dagegen schon – und sie lassen sich in zehn Minuten mit einer Taschenlampe prüfen.
Der häufigste Fehler bei Bettwanzen ist, die Diagnose an der Haut zu stellen. Die Haut lügt – die Ritze nicht.
Warum Stiche kein Beweis sind
Die typische Beschreibung lautet: drei bis fünf Stiche in einer Reihe, morgens bemerkt, stark juckend. Das passt gut zu Bettwanzen. Es passt aber auch zu Flöhen, zu Vogelmilben aus einem Nest im Rollladenkasten, zu allergischen Reaktionen und zu einigen Hauterkrankungen.
Erschwerend kommt hinzu: Etwa ein Drittel der Menschen reagiert auf Bettwanzenstiche zunächst gar nicht. In einer Partnerschaft ist es deshalb ein häufiges Bild, dass eine Person übersät ist und die andere nichts bemerkt. Das ist kein Hinweis darauf, dass es keine Bettwanzen sind – im Gegenteil.
Die neun Anzeichen, geordnet nach Beweiskraft
1. Kotpünktchen. Das wichtigste Zeichen. Kleine, tiefschwarze Punkte von etwa einem halben Millimeter, oft in Gruppen, an Matratzennähten, am Lattenrost, an der Rückseite des Kopfteils, an Sockelleisten und um Steckdosen. Der Test: Mit einem feuchten weißen Tuch darüberwischen – Bettwanzenkot verläuft rostrot, weil er aus verdautem Blut besteht.
2. Häutungshemden. Bettwanzen häuten sich fünfmal auf dem Weg zum erwachsenen Tier. Die zurückbleibenden Hüllen sind durchsichtig-bernsteinfarben, formgetreu und finden sich in Ritzen, Falten und Fugen. Sie sind ein sicherer Beweis, weil kein anderes Insekt in Betten solche Hüllen hinterlässt.
3. Blutflecken auf dem Laken. Kleine, verwischte rostrote Flecken, meist wenige Millimeter groß. Sie entstehen, wenn eine vollgesogene Wanze im Schlaf zerdrückt wird.
4. Lebende Tiere. Flach, oval, rotbraun, 4 bis 6 Millimeter, flügellos. Nach der Blutmahlzeit deutlich praller, länglicher und dunkler. Sie laufen zügig, aber sie springen und fliegen nicht – das unterscheidet sie von Flöhen.
5. Eier. Etwa einen Millimeter lang, weißlich, leicht gebogen, mit Klebstoff an rauen Oberflächen befestigt. Meist in Gruppen. Mit bloßem Auge erkennbar, aber leicht zu übersehen.
6. Nymphen. Die Jungtiere. Knapp einen Millimeter groß, gelblich-durchsichtig, nach dem Saugen mit deutlich sichtbarem rotem Bauch.
7. Geruch. Süßlich-modrig, bei größeren Populationen im Schlafzimmer wahrnehmbar. Kein Beweis für sich, aber ein deutliches Warnsignal.
8. Stichmuster. Reihen oder Gruppen an unbedeckter Haut, morgens bemerkt. Hinweis, kein Beweis.
9. Ein plausibler Eintragsweg. Rückkehr von einer Reise, ein gebrauchtes Möbelstück, ein Umzug, ein bekannter Befall im Haus. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit erheblich.
So kontrollieren Sie in zehn Minuten
Nehmen Sie eine helle Taschenlampe – das Handylicht genügt – und eine Kredit- oder Kundenkarte zum Ausstreichen von Ritzen. Arbeiten Sie von der Schlafstelle nach außen.
Beginnen Sie an der Matratze: alle Nähte, Kanten, Griffe und Etiketten, beide Seiten. Dann der Lattenrost, besonders die Auflagepunkte und alle Bohrungen. Dann das Bettgestell mit sämtlichen Schraublöchern und Verbindungen. Dann das Kopfteil, unbedingt auch dessen Rückseite und die Wand dahinter.
Danach der Umkreis: Nachttisch samt Schubladenfugen, Sockelleisten, Steckdosen- und Schalterrahmen, Bilderrahmen, Vorhangsäume, Polstermöbel im Raum. Bettwanzen halten sich bevorzugt innerhalb von zwei Metern zur Blutquelle auf – dort liegt der Schwerpunkt Ihrer Suche.
Monitorfallen: wenn Sie nichts finden
Wenn Sie Stiche haben, aber keine Spuren finden, helfen Bettbein-Monitore: flache Schalen mit einer glatten Innenwand, die unter jedes Bettbein gestellt werden. Wanzen, die zum Bett wollen oder es verlassen, fallen hinein und kommen nicht mehr heraus. Kontrollieren Sie eine Woche lang täglich.
Das ist auch das Verfahren, mit dem sich ein Befall nach einer Behandlung sauber ausschließen lässt.
Was Sie jetzt nicht tun sollten
Nicht sprühen. Nicht in ein anderes Zimmer umziehen – Sie nehmen die Tiere mit und schaffen einen zweiten Herd. Nichts wegwerfen. Und vor allem: keine Matratze und kein Möbelstück ins Treppenhaus stellen, denn damit verteilen Sie den Befall im ganzen Haus und riskieren, dass jemand das Stück mitnimmt.
Waschen Sie stattdessen Bettwäsche und Kleidung bei mindestens 60 Grad oder trocknen Sie sie 30 Minuten heiß, lagern Sie sie anschließend in verschlossenen Säcken – und rufen Sie an, bevor der Befall wächst. Bettwanzenpopulationen verdoppeln sich unter guten Bedingungen etwa alle drei Wochen.
Quellen und Stand
Häufige Fragen dazu
Sieht man Bettwanzen mit bloßem Auge?
Ja. Ausgewachsene Tiere sind 4 bis 6 Millimeter lang, flach, rotbraun und damit gut sichtbar. Schwieriger sind die frisch geschlüpften Nymphen: Sie sind knapp einen Millimeter groß und fast durchsichtig, solange sie nicht gesaugt haben. Eier sind etwa einen Millimeter lang, weißlich und angeklebt.
Wie unterscheide ich Bettwanzen- von Flohstichen?
An der Körperstelle. Bettwanzen stechen unbedeckte Haut im Liegen, also Arme, Schultern, Nacken, Gesicht und Beine; die Stiche fallen morgens auf. Flöhe stechen bevorzugt Unterschenkel, Knöchel und Füße, und zwar tagsüber. Sicher ist die Unterscheidung aber nur über die Spuren, nicht über die Haut.
Kann man Bettwanzen riechen?
Bei stärkerem Befall ja. Der Geruch wird als süßlich-modrig beschrieben, manche vergleichen ihn mit Mandeln oder Koriander. Er entsteht durch Alarmpheromone. Ein fehlender Geruch bedeutet allerdings nicht, dass kein Befall vorliegt – bei kleinen Populationen riecht man nichts.
Wo suche ich zuerst?
Im Umkreis von etwa zwei Metern um die Schlafstelle. Die Reihenfolge: Matratzennähte und Etiketten, Lattenrost und Schraublöcher des Bettgestells, Kopfteil und dessen Rückseite, Nachttisch samt Schubladenfugen, Sockelleisten, Steckdosenrahmen, Bilderrahmen, Vorhangsäume, Polstermöbel.
Ich habe Stiche, finde aber nichts – was jetzt?
Stellen Sie Monitorfallen unter die Bettbeine und kontrollieren Sie eine Woche lang. Wenn Sie weiterhin nichts finden, kommen andere Ursachen in Betracht: Vogel- oder Nagermilben aus einem Nest im Gebäude, Flöhe, oder eine dermatologische Ursache. Eine Hautärztin oder ein Hautarzt kann hier weiterhelfen.